20.02.2012
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Dresden: “Heute werden die Zahlen verschwiegen”
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“Ich habe schon an zig Zeitungen geschrieben und um Berichtigung gebeten. Man zeigt sich höchst interessiert, bringt aber keine Berichtigung. Die Kriegsgräberfürsorge lehnt jede Mitarbeit ab, diese Frage liege außerhalb ihrer Arbeit. Das militärgeschichtliche Forschungsamt prüft offensichtlich die militärischen Ereignisse in Dresden während der letzten vier Kriegsmonate überhaupt nicht. Der Sachbearbeiter äußerte, man benötige ‘zur Zeit’ meine Erinnerungen nicht. Dokumentarische Unterlagen lägen ohnedies nicht vor! Ich war extra deswegen in Freiburg vorstellig geworden! Die Realität: Von Januar bis 8. Mai 1945 war ich – noch im Genesungszustand – Korps-Ia im Verteidigungsbereich, mit vier Restdivisionen, darunter in den letzten zwei Wochen auch die Reste der SS-Division "Das Reich".
Ich erlebte alle Bombenangriffe in bzw. glücklicherweise am Rande der Stadt, zumindest am Rande des Zerstörungsgebietes. Schon am 14.02.44 musste ich einen Sonderstab unter Hauptmann Harlinghausen zusammenstellen, der gemeinsam mit der Stadtverwaltung und mit dem stellvertretenden Gauleiter (beide waren dem General von Gilsa unterstellt) vorrangig die Bergung der Toten zu bewerkstelligen hatte.
Von Seiten der Stadt war mein Vater, der als Verwaltungsdirektor der Stadt u.a. auch die Baupolizei unter sich hatte, der verantwortliche Mann. Kurzum, die Opfer wurden sortiert, verbrannt und beerdigt, z.T. in Riesen-Urnen. Es waren 35.000 voll identifizierte Opfer mit Namenausgabe. 50.000 waren teilweise identifiziert (Eheringe mit eingravierten Initialen oder andere Erkennungszeichen). Auch verbrannt und gesondert beigesetzt 168.000 Opfer, an denen es nichts mehr zu identifizieren gab. Auch diese verbrannt und gesondert beigesetzt im bzw. am Dresdener Heidefriedhof, mit Gedenktafel usw. Diese o.a. Zahlen gaben wir auf Verlangen an Hitlers Todestag oder einen Tag vorher als von mir abgezeichnete Meldung an den Führerbunker in Berlin ab. Dresden unterstand an sich zunächst mit Prag und Magdeburg dem Generaloberst Strauß, wurde aber schon deshalb oft vom Führerbunker direkt beansprucht, weil über unseren Fernsprechkopf die einzige vorhandene Telefonverbindung zwischen Hitler und Feldmarschall Kesselring in Augsburg lief.
Heute werden die letzten beiden Zahlen einfach verschwiegen. Feldmarschall Harris, der für die Luftangriffe Verantwortliche, starb Anfang April 1984. Die Welt am Sonntag sprach in diesem Zusammenhang von 60000 ‘als Schätzungen’ des Statistischen Bundesamtes. Ein Leserbrief dazu von einem Dr. Krause besagt, dass der Dresdener Polizeipräsident im März 45 (also ca. sechs Wochen vor der Meldung des Verteidigungsbereiches Dresden) die Zahl von 204000 gemeldet habe. Der Polizeipräsident der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei v. Alvensleben war uns ebenfalls unterstellt. Bomber-Harris bekam 14 Tage nach dem 13. Februar 1945 von Stalin den Lenin-Orden für die Erfüllung der Jalta-Forderung nach Bombardierung Dresdens.”
Aussage des Generalstabsoffiziers des Verteidigungsbereichs Dresden, Eberhard Matthes. Aus: Helmut Schröcke – “Der Zweite Weltkrieg”
Quelle: http://infoportal-schwaben.net