19.07.2012
Die faschistische Kulturbewegung Casa Pound wurde 2003 im Zuge einer Hausbesetzung gegründet und hat ihren Hauptsitz in Rom. Als Zeichen wählte die CasaPound eine stilisierte Schildkröte. "Die Schildkröte ist ein Tier, die ihr Haus immer mit sich trägt", sagt Adriano Scianca, Kultursprecher von Casa Pound. "Und da Casa Pound im Kampf um den Wohnraum entstanden ist, war das eine ganz intuitive Entscheidung. Die oktagonale Form mit acht Ecken hatte schon Plutarch im römischen Reich oder Friedrich II. mit seinem Castel del Monte." Der Name "Pound" ist auf den US-Schriftsteller Ezra Pound zurück zu führen. Dieser ging 1920 nach Italien und wurde ein glühender Anhänger Mussolinis. "Wucher ist Sünde", war sein Credo.
Videos:
Mussolinis Enkel "Casa Pounds" rechte Jugendzentren in Italien [3Sat]
Italien - die hilfsbereiten Neofaschists der Casa Pound Bewegung [ARTE]
Angefangen hat Casa Pound mit der Besetzung eines leerstehenden Wohnhauses in der Via Napoleone III im stark überfremdeten Bahnhofsviertel Esquilino in Rom. Inzwischen leben hier 26 italienische Familien im nationalalternativen Kultur- und Wohnprojekt "Centro Sociale". Die Hausbesetzung, das Aufbegehren gegen absurde Mietforderungen und der Kampf gegen Immobilienspekulation waren der Grundstein zur Gründung der Casa Pound.
Faschistische Gegenkultur
Simone di Stefano ist neben dem Sänger der Band Zetazeroalfa Gianluca Iannone der Gründer der Organisation, die mit einer Mischung aus faschistischer Gegenkultur und nationaler Weltanschauung in der italienischen Jugend immer mehr Fuß fasst. Die geschickte Verknüpfung von Kultur und Weltanschauung, fern ab jeglicher Parteienpolitik, ist das Erfolgsrezept von Casa Pound.
Simone di Stefano sagte hierzu: "Seit einigen Jahren hat der Faschismus sein ganz eigenes Innenleben. Früher gab es innerhalb der Parteien unterschiedliche politische Strömungen, die sich auch in nationalen Bewegungen wiederfanden. Heute haben diese politischen Ausrichtungen aufgehört, innerhalb der traditionellen Parteien zu existieren. Heute befinden sich diese Strömungen alle innerhalb von Casa Pound und haben eine viel radikalere Vision als irgendeine klassische Bewegung oder eine Partei von rechts."
In nur zwei Jahren wuchs die Bewegung um mehr als 1000 eingeschriebene Mitglieder in ganz Italien mit mehr als 50 Büros. In einer 24 Stunden-Hotline kümmern sie sich neben Wohnraum um Arbeit, Steuer und Gesundheit. Außerdem unterhält die Casa Pound alleine in Rom um die 10 Buchhandlungen, betreibt ein Internetradio und veranstaltet regelmäßig Rechtsrock-Konzerte.
"Ein Volk von Dichtern, Künstlern, Helden, Heiligen, von Denkern, Wissenschaftlern, Seefahrern, Weltreisenden": So steht es in römischen Buchstaben an Mussolinis imposantem sechsstöckigen Weltausstellungs-Palast im Süden Roms, am legendären EUR. Diese Verknüpfung von Kunst und Faschismus hat heute in der Casa Pound wieder seine Verfechter.
Das der Casa Pound nahestehende Theater "Teatro Non Conforme", hat einen Bezug zur futuristischen Avantgarde um Filippo Tommaso Marinetti. Die Regisseurin Cristina de Lucia nimmt dafür in Kauf, mit nichtprofessionellen Schauspielern zu proben, denn die ideologische Übereinstimmung ist hier wichtiger. Es herrschen Ekstase und Energie alla Marinetti. De Lucia sagt, es gehe nicht darum, "Regeln zu akzeptieren und Kompromisse zu machen, nur um berühmt zu werden, und nicht, weil dir das am Herzen liegt und du eine Botschaft vermitteln willst. Denn das Theater ist gemacht, um eine Botschaft zu verkünden. Für uns liegt die in der Aktion, der Schönheit der Aktion. Die Besetzung von Casa Pound ist eine Aktion, die einer starken Sehnsucht entspringt."
Ideologisch ist Casa Pound ein loser Zusammenschluss verschiedener nationaler Strömungen vor dem Hintergrund des Faschismus, die in den etablierten „rechten“ Parteien Italiens keinen Raum mehr hat. Dabei verwendet Casa Pound oftmals Themenfelder, die gemeinhin der Linken zugeordnet werden.
Immer wieder gehen die Mitglieder der Casa Pound auf die Straße, um gegen soziale Missstände, Mietwucher, Überfremdung und Korruption zu protestieren – und zwar in Nord- wie auch in Süditalien.
Der Blocco Studentesco (Studentenblock) ist ein Studentenverband, der der Partei Fiamma Tricolore sowie der Casa Pound sehr nahe steht und sich vor allem um die Interessen italienischer Studenten und Schüler kümmert.
In der Mitte der Gesellschaft angekommen
Wie sehr Casa Pound inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, erkennt man an dem Buch "Nessun dolore" des Strafverteidigers von Casa Pound, Domenico de Tullio. Sein Werk über alternative Jugendkulturen der nationalen Bewegung war noch in einem kleinen Verlag der Casa Pound erschienen. Doch die Geschichte um einen 18-jährigen Aktivisten von Casa Pound wurde nur wenige Tage nach Erscheinen schon zum dritten Mal aufgelegt. Einer der renommiertesten Verlage Italiens, der Rizzoli Verlag, publizierte es.
Die Casa Pound verbindet in einer außergewöhnlichen Weise Kultur, Jugendbewegung und Weltanschauung miteinander. Sie schafft fern ab nationaler Parteipolitik nationale Freiräume & Kunst und etabliert über die nationale Bewegung hinaus eine Art Gegenkultur zum heutigen Zeitgeist in einer zunehmenden globalisierten Welt.
Die Achse Berlin Rom sollte gerade unter dem Aspekt der Schaffung einer faschistischen Gegenkultur ausgebaut werden und in Deutschland Aktivisten zum Ausbau einer kulturschaffenden NS-Bewegung, fern ab aller Parteienpolitik, inspirieren. In diesem Zusammenhang sollte aber auch die Frage um Südtirol hinten angestellt, aber nicht grundlegend vergessen werden
Verweis zur Netzseite der Casa Pound Italia
Quelle: Infoportal24.org